Posts mit dem Label Presse werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Presse werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 6. Dezember 2013

Mittwoch, 20. November 2013

+++Der große Dieter Hildebrandt ist tot+++


Der Kabarettist Dieter Hildebrandt ist tot.

Das teilte der Karikaturist und enge Freund Dieter Hanitzsch der Nachrichtenagentur dpa mit. Hildebrandt starb in der Nacht zu Mittwoch in einem Münchner Krankenhaus im Alter von 86 Jahren. Hildebrandt litt seit längerem an Prostata-Krebs. 

Wieder geht ein Großer der kurzweiligen Unterhaltung!

Ruhe in Frieden!

Samstag, 26. Oktober 2013

+++WM 2014, oder Deutschland als weißes Ballett und rot-schwarzes Streifenhörnchen+++


Erst in ein paar Wochen wird Adidas die Trikots der deutschen Nationalmannschaft für die WM 2014 in Brasilien präsentieren.

Doch im Internet auf der Seite www.footyheadlines.com kursieren bereits Bilder. Und die sind revolutionär!


Auf den Ausweich-Trikots (derzeit grün) sind große breite rot-schwarze Streifen zu sehen. Das Design erinnert an ein Trikot der brasilianischen Klub-Mannschaft Flamengo Rio de Janeiro. Damit will sich der DFB in Brasilien als guter Gast zeigen.

Das Heimtrikot ist ganz in Weiß gehalten und hat in Anlehnung an die Nationalfarben einen schmalen Brustring, in dem Rot dominiert, aber auch Schwarz und Gold eingearbeitet sind.
Völlig neu: Auch die Hosen des Heimtrikots sind komplett weiß. Damit wird die DFB-Auswahl ein weißes Ballett.
Adidas-Medienchef Oliv
er Brüggen: „Das neue DFB-Trikot wird Mitte November vorgestellt. Bis dahin bitten wir um Verständnis, dass wir uns nicht öffentlich dazu äußern werden.“

Das Internet ist ihm zuvorgekommen.

Dienstag, 15. Oktober 2013

+++Kampf der Gladiatoren+++


Union und SPD haben bis tief in die Nacht getagt und sondiert. Doch einigen konnten sich CDU, CSU und SPD noch nicht auf Koalitionsgespräche.

Teilweise lagen die Nerven blank, es solle auch mal „gerappelt“ haben, wie CSU-Chef Horst Seehofer im Anschluss sagte. Ein „Auf und Ab“.
Fakt ist: Die Parteien haben sich nichts geschenkt – im Laufe der Sondierung gerieten die Verhandlungsführer offensichtlich mehrfach hart aneinander, es wurden auch Auszeiten genommen.
„Man muss auch die Belastbarkeit einer möglichen neuen Koalition austesten”, sagte dazu Dobrindt, der eine harte Auseinandersetzung mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte.
Denn besonders umstritten in der Runde war nicht der Mindestlohn, den die SPD durchsetzen will, sondern das Thema Steuern und Finanzen.

Kraft soll Merkel entgegen geschleudert haben, dass man so keine Verhandlungen führen könne. Auslöser war wohl eine Provokation Dobrindts: Kraft solle erst mal ihren Landeshaushalt in Ordnung bringen. Seehofer sagte an die Adresse der SPD: „Die Finanzwelt ist immer begrenzt. Die Bedürfniswelt ist unbegrenzt. Und dieses Grundgesetz wird keine Regierung aufheben können.”

Seit 16 Uhr saßen die Unterhändler von CDU, CSU und SPD zusammen. Nach mehr als acht Stunden öffneten sich um kurz nach Mitternacht endlich die Türen der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin, die Verhandlungsteilnehmer verließen das Gebäude.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte nach dem Treffen, es habe noch keine konkreten inhaltlichen Ergebnisse gegeben. Es seien sehr intensive, sehr sachliche Gespräche gewesen, die Gemeinsames, aber auch Trennendes offenbart hätten.
CSU-General Alexander Dobrindt ergänzte: „Es soll eine Woche der Wahrheit werden, aber noch gibt es viel Nebel!“
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sprach von „sehr intensiven Gesprächen“. Man habe abklopfen können, was Schnittmengen seien, wo Differenzen liegen.
Eines aber habe sie vermisst: „2005 gab es wenigstens Alkohol, dieses Mal nix.“ Vielleicht war das aber auch besser so, so Nahles.
Anscheinend war es so anstrengend, dass am Ende beinahe ein Lapsus passiert wäre. Zunächst hieß es beiderseits, Union und SPD hätten eine dritte Sondierungsrunde vereinbart.
Dann schoben die Generalsekretäre vor den Mikrofonen aber nach, erst müsse man die zweite Sondierung von Union und Grünen am Dienstagabend abwarten.
Offenbar hatte man des Nachts nicht mehr so ganz auf dem Schirm, dass Schwarz-Grün ja theoretisch möglich ist. Auch wenn auf allen Seiten gemutmaßt wird, dass das zweite Sondierungsgespräch von Union und Grünen am Dienstagabend scheitert. Vor allem die Äußerungen der Grünen selbst, aber auch von Unions- und SPD-Politikern deuteten darauf hin, dass sie nicht an ein solches Bündnis glauben.

Zuletzt hatten sich die Zeichen für eine große Koalition gemehrt. Allerdings gibt es in der SPD weiter große Widerstände gegen eine Zusammenarbeit mit CDU und CSU. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles verlangte klare Zusagen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), zu welchen Zugeständnissen sie bereit sei. Sie erwarte „mehr Verbindlichkeit, an erster Stelle beim Mindestlohn, aber nicht nur dort“, sagte Nahles vor dem zweiten Treffen.

Aber auch in der Union gibt es Zweifel. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl meldete in der WELT zudem „staatspolitische Bedenken” gegen eine große Koalition an.

Montag, 14. Oktober 2013

+++Liegt das Bernsteinzimmer in NRW?+++


Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gilt das Bernsteinzimmer als verschollen und seitdem wird es von Profis wie Laien fieberhaft gesucht. Bislang wurde vor allem der Osten Deutschlands durchkämmt. Jetzt vermuten Schatzjäger das „achte Weltwunder“ in Wuppertal. Die Goldsuche ist in vollem Gange.
Der Betonschacht liegt nur einen Meter vom Bürgersteig entfernt. Ein Seil ragt hinein. Eimer für Eimer Schutt wird an dem Seil hinaufgezogen und ausgekippt. Unten schwitzt Nikolaus Brandau, ausgerüstet mit Helm und Lampe. Er schuftet in seiner Freizeit am Rand einer großen Industriebrache in Wuppertal. Brandau gehört zu einer Gruppe privater Schatzsucher, die ein Auge auf das Gelände geworfen haben. In Wuppertal ist unter ihnen eine Art Goldrausch ausgebrochen. Gesucht wird immerhin das „achte Weltwunder“, das Bernsteinzimmer.

Doch warum Wuppertal? So weit im Westen ist wohl noch nie nach dem legendären Schatz gesucht worden. Dessen Spur verliert sich in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, 1200 Kilometer weiter östlich. Bislang war regelmäßig in Thüringen, Sachsen und in Bayern die Erde umgepflügt worden. Dort will man in den letzten Kriegswirren 1945 verdächtige Lastwagen-Kolonnen gesehen haben.

Das Bernsteinzimmer verpackt in 28 Kisten

Der Mythos treibt Karl-Heinz Kleine (67) schon seit Jahren um. Den gebürtigen Sachsen hat es vor fast 30 Jahren nach Wuppertal verschlagen. Seine Theorie: Das heutige Wuppertal war die Heimat des damaligen NS-Gauleiters für Ostpreußen, Erich Koch – und der Kriegsverbrecher soll die Verantwortung für die 27 oder 28 Kisten getragen haben, in denen das Bernsteinzimmer verpackt war. Er soll aber auch noch viele weitere Schätze in den besetzten Gebieten zusammengerafft haben.

Koch starb 1986 in einem polnischen Gefängnis. „Auf dem Bernsteinzimmer hatte der Koch die Finger drauf“, sagt Kleine. Und der Nazi habe den Schatz bestimmt nicht per Lkw, sondern per Eisenbahn fortschaffen lassen, glaubt er. Ist es dem einstigen Reichsbahner gelungen, den Schatz vor der anrückenden Roten Armee in seiner Heimat zu verstecken? Kannte er nicht sogar den Rüstungsunternehmer, dem das Gelände damals gehörte? Traf der sich nicht in den letzten Kriegstagen mit Görings Stellvertreter Erhard Milch?

Lagert der Schatz unter einem illegalen Schuttplatz?

Kleine vermutet unter dem Gelände eine Bunkeranlage für die Rüstungsproduktion. Seit Wochen versucht er mit seinem privaten Team, einen Eingang zu finden. Auf dem Gelände wachsen dichte, haushohe Brombeersträucher. Seit Jahrzehnten wird es als illegaler Schuttablageplatz genutzt. Ein paar Straßen weiter fährt die Schwebebahn. Der genaue Ort der Grabungen ist ein Geheimnis. „Vor ein paar Jahren hatte mal eine Zeitung den damaligen Grabungsort verraten. Da ging die Party los.“

Zwei Schächte wurden bereits ausgehoben – sie führten lediglich zu Rohrleitungen, aber der dritte Schacht sieht anders aus. Verbirgt sich dahinter der Zugang zum Bunker?

Während Brandau den letzten Meter Schutt wegbuddelt, setzt sich eine kleine Fahrzeugkolonne in Bewegung. Es gilt, einen Tipp zu überprüfen, der zu einem Gelände ein paar hundert Meter entfernt führt. Wieder verfallene Fabrikhallen, Industrie aus einer anderen Epoche. Brech- und Stemmeisen werden ausgepackt. Doch der vermeintliche Stolleneingang entpuppt sich rasch als Zugang zu einem Abwasserkanal. Das beweist die Nase: „Pestilenzartig.“ Rückmarsch.

Man habe die Unterstützung der Stadt. Technisches Hilfswerk und Feuerwehr helfen schon einmal, berichtet Kleine. Der Stadt Wuppertal würde er auch das Bernsteinzimmer übergeben, im Ernstfall, sagt er. Es gehöre zwar Russland, aber vor der Rückgabe sollte es wenigstens einmal in Deutschland ausgestellt werden, meint der Rentner.

Seit seinem Verschwinden am Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Bernsteinzimmer Objekt der Begierde für zahllose Abenteurer. Trotz vieler aufwendiger Suchaktionen ist die auf 100 Millionen Euro Wert geschätzte Kostbarkeit bis heute verschollen.

„Wir machen weiter“

Die Wandvertäfelungen, ein Geschenk Preußens an Russland, gelten als Meisterwerk der Schnitzkunst. Preußens König Friedrich Wilhelm I. hatte es dem Zaren Peter dem Großen geschenkt. Rund 200 Jahre lang befand sich der prunkvolle Raum im Katharinenpalast.

Ein Handy läutet Sturm. Das Team um Brandau ist am Ziel, hat das Ende des Schachtes erreicht. Die Kolonne eilt zurück. Zum Vorschein ist ein rostiger Absperrhahn gekommen – und ein Rohr. Kleines Blick spricht Bände: Wieder nur ein alter Zufluss zur Kanalisation. Misserfolg heißt der ständige Begleiter aller Bernsteinzimmer-Sucher. „Das war nix“, sagt Kleine. Nach kurzer Pause fügt er hinzu: „Wir machen weiter. Ich will hier in den Bunker rein.“

Zwangsarbeiter untertunnelten das Bergische Land

Wenn denn einer da ist. Das Gelände war von einer US-Firma aufgekauft worden, die bisher auf seine Anfrage keine Pläne herausgerückt habe, sagt Kleine. Können Arbeiter von damals nicht einen Hinweis auf den Eingang geben? Fehlanzeige. Immerhin: Zeitzeugen bestätigen, dass es damals einen Bunker gegeben habe. Auch in einer Bunkerliste der Stadt sei er vermerkt.

Das bergige Wuppertal mit seinen Felsenkellern, Tunneln, Stollen, Bunkern und seiner Industrievergangenheit dürfte die Schatzsucher noch eine ganze Weile auf Trab halten. Gewaltige Stollen waren von Zwangsarbeitern in das Bergische Land getrieben worden, um die Rüstungsproduktion vor den alliierten Bombern zu schützen. Dafür war die „Organisation Todt“ verantwortlich.

Initiativen wie „Wuppertal Untertage“ haben bereits eine ganze Reihe unterirdischer Katakomben, Stollen und Bunker erforscht. Die Bugspitze für den Düsenjäger ME-262 wurde in einer der unterirdischen Anlagen produziert. Kleine will jedenfalls wiederkommen, so lange seinem Verein nicht das Geld ausgeht. Es gebe da noch so eine Stelle, die Hoffnung mache: „Aber dafür brauchen wir schweres Gerät.“

Sonntag, 13. Oktober 2013

+++Uni-Typologie der "Neuen" auf dem Campus+++


Nie lernt man mehr Menschen auf einen Schlag kennen als in der allerersten Uniwoche. Damit man sich bei dem Gewusel noch zurechtfindet, gibt es als Unterscheidungshilfe die Typologie der Erstsemester.

Der Überinformierte

Daran erkennst du ihn: An dem Stadtplan, auf dem er sich die Lage der Universitätsgebäude mit einem Leuchtmarker markiert hat. Auch sonst kennt sich der Überinformierte schon jetzt besser aus als der Fachstudienberater, weil er den Sommer zwischen Abitur und Studium damit verbracht hat, die Prüfungsordnung auswendig zu lernen, sich zu Kursen anzumelden und mit Lineal und Filzstiften eine riesige Übersicht zu basteln, welche Module er in welchem Semester belegen möchte. In der Facebook-Gruppe eures Studiengangs wird er auch in den folgenden Semestern zuverlässiger als das Uni-Intranet mit der „Hallo an alle, vergesst nicht“-Formulierung an Semesterrückmeldetermine, Sprachkursanmeldungen und Hausarbeitsabgabefristen erinnern.

Bei der Infoveranstaltung in der O-Woche fragt er, ob er dieses Seminar aus dem Schwerpunktmodul nicht doch schon im ersten Semester besuchen kann – das wird ja erst wieder in zwei Semestern angeboten und da will er gerade ins Ausland gehen. 

Triffst du ihn im Supermarkt, liegen in seinem Einkaufskorb… zwei Packungen Spaghetti, Dosenmais und eine Packung H-Milch. Alles von der Hausmarke des Supermarkts. 

In der freien Zeit zwischen den Einführungsveranstaltungen, lädt er das Guthaben seiner Kopierkarte auf, nimmt an der Bibliotheksführung teil und meldet seinen neuen Wohnsitz im Bürgerbüro an. 

So wohnt er: Kastenförmiger Neubau, WG-Küche mit Spülmaschine, ruhige, aber zentrale Lage. Die Wohnung teilt er sich mit zwei Masterstudenten. 

Der Weitgereiste


Daran erkennst du ihn: An seinem Handgelenk, an dem entweder ein Lederarmband oder eine Gebetskette aus Holzperlen baumelt. Nach dem Abitur hat der Weitgereiste nämlich ein Jahr Pause eingeschoben, um – so ungebunden, wie man ja nie wieder sein wird – eine Weltreise zu machen, bei einem weltwärts-Programm Englisch in einem entlegenen chinesischen Bergdorf zu unterrichten oder auf einer neuseeländischen Obstplantage Äpfel zu pflücken. Erst zwei Tage vor Beginn der O-Woche ist er wieder in Deutschland gelandet und ist schon jetzt von der deutschen… wie heißt das? Engstirnigkeit? Sorry, solche Wörter fallen ihm nicht mehr ein, seitdem er drei Monate in Kanada war. Nachdem du es ihm beim heiteren Wörterraten in den Mund gelegt hast, kann er dir schließlich sagen, dass er von der deutschen Engstirnigkeit total genervt ist. 

Bei der Infoveranstaltung in der O-Woche fragt er, warum am Sprachenzentrum der Uni keine Kurse in Thai angeboten werden. 

Triffst du ihn im Supermarkt, liegen in seinem Einkaufskorb… je nach bereistem Land Currypaste, eine Dose Kokosmilch, Hirse oder Kichererbsenmehl. Übrigens der gleiche Grund, warum du dich mit ihm anfreunden solltest. Schon mal selbstgemachte Pakoras gegessen? Eben. 

In der freien Zeit zwischen den Einführungsveranstaltungen, muss er erst einmal wieder richtig in Deutschland ankommen. Das heißt Bürokratiegedöhns erledigen, sich bei den alten Freunden melden und endlich den Durchfall loswerden, mit dem er sich seit Indonesien herumschlägt. 

So wohnt er: In einem Wohnheimzimmer, das er sich von einem Internetcafé in Vietnam aus organisiert hat. Schon dabei ist die Internetverbindung ständig zusammengebrochen, ausgedehnte Suchaktionen nach WGs waren also nicht drin. 

Das Klammeräffchen 

Daran erkennst du es: An dem schüchternen Blick, mit dem es die anderen bei der Kneipentour mustert. Zu Hause – das ist ganz schön weit weg – war das Klammeräffchen in seinem Freundeskreis sehr beliebt, aber die kannte es ja auch schon seit der Mittelstufe. In der neuen Stadt ist es deswegen erst einmal verunsichert, ob es jemals wieder richtige Freunde finden wird. Und ob es überhaupt eine gute Entscheidung war, fürs Studium so weit wegzuziehen, die anderen sind ja alle in der Heimat geblieben. Umso enthusiastischer stürzt es sich auf jeden, der mit ihm eine Unterhaltung beginnt. 

Bei der Infoveranstaltung in der O-Woche fragt es nichts, bloß nicht auffallen. 

Triffst du es im Supermarkt, liegen in seinem Einkaufskorb… eine Packung streichzarte Butter, Bioscheibenkäse und Schokokekse. Eigentlich alles, was die Eltern auch immer im Einkaufswagen hatten.

In der freien Zeit zwischen den Einführungsveranstaltungen, müssen erst einmal die neuen Bekanntschaften gefestigt werden: Beim Kaffeetrinken, bummeln in der Innenstadt oder bei der Bibliotheksführung, zu der dieser übermotivierte Student unbedingt gehen wollte. Das trifft sich aber gut, weil man ihm gleich all die Fragen stellen kann, die einem bei der Infoveranstaltung zu dämlich vorkamen. 

So wohnt es: In einem Einzimmerappartement mit einem Zwei-Quadratmeter-Balkon. Das Zimmer selbst ist studentisch-uniform mit weißen Ikea-Möbeln eingerichtet, über dem Malm-Bett hängt das Abschiedsgeschenk der Freunde von daheim: Ein Fotoposter, auf dem die Gruppe Händchen haltend ins Meer hineinrennt. 

Der Befreite 

Daran erkennst du ihn: An seinem Atem, wenn du ihn abends beim Weggehen triffst. Jahrelang hat er auf den Studienbeginn hingefiebert, wenn ihn seine Mutter am Wochenende geweckt hat, indem sie auf der Anlage im Wohnzimmer Bruce Springsteen aufgedreht hat. Dazu die Schule, dieser Kindergarten, wo man sich noch in der Abizeit Ausreden überlegen musste, wenn man einmal gefehlt hat. Und diese stinkigen Oberstufenfeten mit Strandmotto. Vorbei! 

Bei der Infoveranstaltung in der O-Woche fragt er nichts, nippt aber emsig an seinem Kaffee. Und empfindet es als gutes Zeichen, dass er es überhaupt hierher geschafft hat nach gestern Abend. Das mit dem Studium wird schon klappen, obwohl überall sonst so viel los ist gerade. 

Triffst du ihn im Supermarkt, liegen in seinem Einkaufskorb… eine Flasche Rum, Fertigpizza und ein Tetrapak Eistee. 

In der freien Zeit zwischen den Einführungsveranstaltungen, schläft er oder gammelt mit seinen Mitbewohnern auf der Couch. Die sind sowieso viel unkomplizierter und weniger anstrengend als diese hypermotivierten Erstis, die er bei der Infoveranstaltung getroffen hat.

So wohnt er: In einer Fünfer-WG mit riesigem Wohnzimmer, in dem abends mit Freunden vorgeglüht wird und außerdem gerade ein Bekannter von einem Bekannten übernachtet, der in der Stadt war und eine Schlafgelegenheit brauchte. Die Lage: an der lauten Hauptverkehrsachse, aber zentraler geht es nicht. 

Der Daheimbleiber 

Daran erkennst du ihn: An dem völligen Desinteresse an deiner Person und dem gelangweilten Blick, den er während des gesamten Einführungswochen-Vergnügungsprogramms aufsetzt. In der Abizeit kam ihm die Idee, in seiner Heimatstadt zu studieren, ziemlich klug und entspannt vor. Spätestens nach der zweiten Uniwoche ödet ihn diese Entscheidung aber selbst ein bisschen an. Schließlich hat sich an seinem Leben nur wenig geändert: Statt morgens um acht zur Schule zu fahren, kann er jetzt zwei Stunden länger schlafen, bevor das Seminar losgeht. Und, fast vergessen: Er steigt an einer anderen U-Bahn-Station aus.  

Bei der Infoveranstaltung in der O-Woche fragt er, ob man sein Auslandssemester auch in Australien verbringen kann, wenn man das als Freelancer organisiert. Bitte, bitte, weit weg von hier. 

Triffst du ihn im Supermarkt, liegt in seinem Einkaufskorb… nichts, weil du ihn dort gar nicht triffst. Höchstens seine Eltern am Samstag, die für ihn immer noch Kinder Pinguin im Kühlschrank bunkern. 

In der freien Zeit zwischen den Einführungsveranstaltungen, geht er zum Fußballtraining, trifft sich mit seiner Freundin und abends dann mit seinem alten Freundeskreis zum Weggehen. 

So wohnt er: Im Reihenendhaus seiner Eltern. Eigentlich wollte er mit seinem besten Freund eine WG in der Innenstadt gründen, aber der Wohnungsmarkt war total überlaufen, als er sich im September auf die Suche gemacht hat. Spätestens zum nächsten Semester dann, wenn in der WG eines anderen Kumpels was frei wird.


+++40 Millionen Euro in Limburg+++


Sie steigen und steigen und steigen...

Die Kosten für die Umbauten am Sitz für den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (53) werden wohl noch einmal deutlich teurer: Die Gesamtkosten könnten auf bis zu 40 Millionen Euro steigen, berichtet die „Welt am Sonntag“.

Der Zeitung zufolge rechnet die Limburger Stadtverwaltung zusätzlich zu den bisher veranschlagten 31 Millionen Euro für den Bischofssitz mit Folgekosten in Millionenhöhe. Der Grund: Schäden in der direkten Umgebung der Residenz, die durch die Baumaßnahmen entstanden sind und von der Kirche beglichen werden müssen.

Konkret handelt es sich laut Zeitung um erhebliche Straßenschäden sowie Beschädigungen an Häuserfassaden auf der Zufahrt zum Domberg. Zudem prüft das Limburger Bauamt derzeit, wie sehr die unter den Zufahrten liegende Kanalisation, die Gasleitungen und Kabel in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Auch eine 25 Meter lange Mauer, die im Zuge der Bauarbeiten abgerissen wurde, muss neu aufgezogen werden.

Bistumssprecher Martin Wind bestätigte der Zeitung, dass solche Kosten auf den Bischöflichen Stuhl zukommen. „Diese Rechnungen werden dann selbstverständlich beglichen.“
Ursprünglich waren für das gesamte Bauprojekt 5,5 Millionen Euro eingeplant.

Samstag, 12. Oktober 2013

+++Woodstock in wilhelminischer Zeit+++


Jahrhundertfeier mit mystischem Flair: Vor 100 Jahren trafen sich etwa 3000 Jugendliche auf dem Hohen Meißner, einem Bergrücken östlich von Kassel. Ohne Kleiderordnung und wie im Rausch tanzten und sangen sie gemeinsam - eine Provokation für ihre konservativen Zeitgenossen.

Es regnete, Nebel lag über dem herbstlichen Land. Doch niemand störte sich daran. Erwartungsvoll erklommen rund 3000 junge Frauen und Männer am 11. Oktober 1913 die Hänge des Hohen Meißner. Um nichts in der Welt wollten sie den Ersten Freideutschen Jugendtag verpassen, der in freier Natur, auf den Wiesen des osthessischen Berglandes stattfand. Zwei Tage lang verwandelten sie das Meißner-Gelände in eine riesige Festwiese und vergaßen den wilhelminischen Drill, dem sie im Alltag zu Hause und in der Schule ausgesetzt waren: "Wettkämpfe und Reigentänze überall. Mittags wurde in Gruppen gekocht und der Rauch der Feuerstätte mischte sich mit den aufsteigenden Nebeln. Man ging von Gruppe zu Gruppe und traf überall Freunde", beschrieb eine junge Studentin aus Jena euphorisch ihre Eindrücke. 

Der Lebensreformer Hans Paasche begeisterte sich: Endlich sei er jungen Menschen begegnet, die "gehen konnten und springen, sprechen, lachen und singen". In seinem Buch "Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland" legte er seine Beobachtungen der fiktiven Figur eines afrikanischen Stammeshäuptlings in den Mund. "Sie hatten kein Leibgerüst und keine Zwangsschuhe. […] Ihr eigenes Haar hing in goldenen Flechten über den Rücken und Kränze roter Beeren schmückten ihre Köpfe." 



Als Großveranstaltung, gar als "Jahrhundertfeier" hatten die Veranstalter, die aus höchst unterschiedlichen lebensreformerisch und reformpädagogisch inspirierten Gruppen kamen, das Fest angelegt. Und der große Wurf war ihnen tatsächlich gelungen. Der Jugendtag war so etwas wie ein gigantisches Open-Air-Event, ein wilhelminisches Woodstock, das den Aufbruch Jugendlicher in eine neue, bessere und vor allem freiere Zukunft feierte. Wie im Rausch erlebten die jungen Frauen und Männer fernab der Zwänge des Alltags diese Tage und kehrten mit dem Gefühl einer tiefen emotionalen Verbundenheit und getragen von dem "Meißner-Geist" nach Hause zurück. 

"Alkohol- und Nikotinfrei" 

Die "Jugendbewegung" stand im Herbst 1913 auf ihrem ersten Zenit. Sie umfasste eine Vielzahl von Gruppierungen, die mehr Freiheit und Selbstbestimmung einforderten. Am bekanntesten sind und waren die sogenannten Wandervogelgruppen, in denen sich Gymnasiasten zusammenfanden. In der schulfreien Zeit gingen sie gemeinsam wandern und suchten in der Natur ihre Freiräume vom Alltag. Ebenso prägend waren die studentischen Gruppierungen wie etwa die "Akademische Freischar", der "Bund abstinenter Studenten" oder die "Akademische Vereinigung", die mit zu den wichtigsten Organisatoren und Akteuren des Ersten Freideutschen Jugendtages zählten. 

Bewusst planten sie ihren großen Tag als Gegenveranstaltung zur Einweihungsfeier des gigantischen Völkerschlachtdenkmals, die fast zeitgleich in Leipzig stattfand und an die große Entscheidungsschlacht gegen Napoleon 1813 erinnerte. Sie wollten sich abheben von den patriotischen Massen, die Kaiser und Reich huldigten und Deutschlands Großmachtstellung in Europa und der Welt beschworen. Bewusst knüpften die Meißner-Veranstalter an die Feste der deutschen Nationalbewegung des frühen 19. Jahrhunderts an, bei denen nicht die nationale Einheit, sondern Freiheit und Gleichheit im Vordergrund gestanden hatte. Sie begingen ein Fest der Jugend, in der Tradition der "Feste eines freien Volkes unter freiem Himmel" ähnlich wie das Wartburgfest 1817 oder das Hambacher Fest 1832. 

Unterstützung erhielten die Jugendgruppen von seinerzeit bekannten Persönlichkeiten wie dem Pädagoge Gustav Wyneken, dem Gründer der Volkshochschule Klappholttal auf Sylt, Knud Ahlborn, dem Psychoanalytiker Siegfried Bernfeld, dem Schriftsteller Manfred Hausmann und Lebensreformer Paasche. Einen zumindest vagen programmatischen Rahmen erhielt das Fest durch Leitsätze, die am Vorabend auf der nahegelegenen Burg Hanstein vereinbart worden waren: "Die Freideutsche Jugend will nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, in innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein. Zur gegenseitigen Verständigung werden Freideutsche Jugendtage abgehalten. Alle gemeinsamen Veranstaltungen der Freideutschen Jugend sind alkohol- und nikotinfrei." 

Die Aura des Ortes 

Geradezu mystisches Flair bekam die ungewöhnliche Veranstaltung durch die flammende, fast spirituelle Rede Wynekens. Die Zukunft liege "durch eine dichte Nebelwand verhüllt", verkündete dieser oben auf dem Gipfel unter herbstlichem Himmel. Es sei, als höre man dennoch "durch den Nebel hindurch von einem fernen Zeitenjenseits oder von der Ewigkeit her die Stimme der Gerechtigkeit und der Schönheit." Schließlich forderte er seine Zuhörer auf, sich würdig zu erweisen, "Krieger des Lichts" zu werden. Für welche Ziele und gegen wen sie geistig kämpfen sollten, ließ er allerdings offen. 


Die öffentlichen Reaktionen auf das Fest waren gespalten. In der auflagenstarken Familienzeitschrift "Die Gartenlaube" hieß es, es bestehe zwar ein gewisses Misstrauen von Seiten Erwachsener gegen diese "Freiheitsbewegung" der Jugend, und es sei auch noch nicht klar zu erkennen, wie sich diese "Revolte" gegen die Zwänge der Schule entwickeln werde. Dennoch: Die Tatsache, dass sie ihren Anspruch auf jugendliche Freiräume zum Wandern nutze, stelle nun wirklich "keinen Missbrauch der Freiheit" dar. Bedenklich sei lediglich "die gar so radikale Selbstverständlichkeit, mit der Mädchen und Knaben beieinander" gewesen seien. 

Ein knappes Jahr später brach der Erste Weltkrieg aus. Danach war nichts mehr, wie es einmal war. Die Teilnehmer des Meißner-Ereignisses von 1913 aber sprachen später noch oft von der Aura des Ortes. Für viele von ihnen war es der Beginn einer jugendbewegten Zeitrechnung. Etwa für den Sozialdemokraten Carlo Schmid, einen der Väter des Grundgesetzes. Als er im Jahre 1975 den von dem Hamburger Kaufmann Alfred Toepfer gestifteten Hanseatischen Goethe-Preis erhielt, kam er noch einmal auf der Ereignis zu sprechen. "Die Welt" beschrieb die Szene damals so: "Er blickt Herbert Weichmann an und Alfred Toepfer und macht vom Bankett im Atlantik-Hotel weg einen Gedankensprung über sechs Jahrzehnte: Wir waren alle drei auf dem hohen Meißner." 

(Fotos: Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein)

+++Facebook macht alle Profile der Nutzer öffentlich!+++


Wer bei Facebook von anderen Nutzern über die Suchbox nicht gefunden werden wollte, konnte dies einstellen. Damit ist künftig Schluss: Das Unternehmen hat die Funktion abgeschafft, sie habe sich überlebt. Profile können nicht mehr versteckt werden.

Facebook-Nutzer können ihr Profil künftig nicht mehr von der Suchfunktion des Netzwerkes verbergen. Zuvor konnten Facebook-Mitglieder festlegen, dass sie bei einer namentlichen Suche über die Webseite nicht auftauchen wollen.

Diese Funktion („Wer kann deine Chronik über deinen Namen finden?“) gab es unter den Einstellungen zur Privatsphäre. Tippte dann ein anderer Facebook-Nutzer den Namen dieser Mitglieder in die Facebook-Suchbox ein, wurde das Profil nicht angezeigt. Diese Möglichkeit werde jetzt vollständig entfernt, kündigte Facebook-Manager Michael Richter an.

„Funktion hat sich überlebt„

Sie sei bereits vergangenes Jahr für die Nutzer entfernt wurden, die die Einstellung nicht aktiviert hatten. Inzwischen nutze nur noch eine „kleine Prozentzahl“ der mehr als eine Milliarde Facebook-Mitglieder die Option. Sie sollen durch einen Hinweis auf der Facebook-Startseite über die Änderungen informiert werden.

Die Funktion habe sich überlebt, begründete Richter den Schritt. So könnten Nutzer die Profile anderer Mitglieder auch über gemeinsame Freunde oder Kommentare zu Fotos finden. Facebook stellte Anfang des Jahres die neue Suchfunktion „Graph Search“ vor. Damit können Nutzer verstärkt nach Interessen oder Themen suchen, also etwa ihre Bekannten in einer bestimmten Stadt finden. Bisher gibt es die neue Suchfunktion nur für Nutzer der englischsprachigen Facebook-Version.

Einstellungen selber vornehmen

Wer einschränken wolle, welche Informationen andere auf Facebook sehen können, solle das bei jedem Eintrag einzeln machen, rät Richter. Das sei „der beste Weg, zu kontrollieren was Menschen über euch auf Facebook finden können“.

Mitglieder können bei Statusnachrichten oder Fotos einstellen, ob allein die eigenen Facebook-Kontakte, auch deren Freunde oder die gesamte Öffentlichkeit einen Eintrag sehen soll. Nutzer würden in den kommenden Wochen noch einmal darauf hingewiesen, dass es diese Möglichkeiten zur Einschränkung gibt.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

+++VK.COM, oder der Machtkampf um das Facebook Osteuropas+++


Wer kontrolliert Russlands größtes Social Network VK.com? Ein mysteriöser Investor hat 48 Prozent der Firma übernommen, will nun mit Werbung mehr Geld verdienen. Dem freigeistigen Gründer droht er mit Rauswurf. Der aber wittert eine Intrige des Kreml.

Die Entwickler des sozialen Netzwerks VK.com residieren wie Fürsten über den Dächern von Sankt Petersburg. 2012 hat das Unternehmen ein Jugendstilanwesen an der Flaniermeile Newskij Prospekt bezogen, das US-Diplomaten während des Ersten Weltkriegs als Botschaft nutzten. Vom Dach ragt eine verspielte Glaskuppel in den Himmel.

Hier schlägt das Herz eines digitalen Königreichs mit derzeit rund 200 Millionen registrierten Nutzern. Die meisten stammen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion. In Russland ist VK.com Marktführer vor der US-Konkurrenz Facebook. Errichtet hat es der Russe Pawel Durow, Jahrgang 1984. Er hat VK.com 2006 gegründet, gemeinsam mit seinem Bruder Nikolaj und ein paar Kompagnons.
Mit zweien davon hat Durow sich überworfen. Das könnte ihm zum Verhängnis werfen. Beide haben im Frühjahr überraschend ihre Anteile verkauft und damit die Tür geöffnet für den Einstieg eines Investors, den Durow für einen Strohmann des Kreml hält.

Faible für Neo aus "The Matrix"

Ilja Scherbowitsch heißt der Geschäftsmann, der sein Geld mit Wertpapiergeschäften für die Deutsche Bank und russische Staatsunternehmen gemacht hat. Scherbowitsch saß auch ein Jahr im Aufsichtsrat von Rosneft, dem staatlichen Ölriesen, der von Igor Setschin gesteuert wird, einem engen Vertrauten von Präsident Wladimir Putin.

Pawel Durow hat ein Faible für die Science-Fiction-Trilogie "Matrix". Er kleidet sich gern wie der Cyber-Rebell Neo aus dem Film. Auf das Übernahmeangebot eines großen russischen Internetkonzerns antwortete er einmal, indem er via Twitter ein Foto seines ausgestreckten Mittelfingers verschickte. Weil er nicht raucht und nicht trinkt, gab es auf der Webseite nie Werbung für Zigaretten oder Alkohol. Weil Durow Anhänger libertärer Ideen ist, stellte er sich stur, als der Inlandsgeheimdienst FSB ihn aufforderte, Foren der Anti-Putin-Opposition zu schließen. VK funktioniert nach Durows Gesetzen, noch.

Werbung in homöopathischen Dosen

UCP, der Investmentfond des Geschäftsmanns Ilja Scherbowitsch, hält 48 Prozent des Unternehmens. Im Interview droht UCP dem Gründer Durow kaum verhohlen mit dem Rauswurf. Es gebe "in der Firma selbst und auf dem Markt genügend andere Talente", die VK.com führen könnten.

Durow hält das für ein Manöver der Staatsmacht, um ihn kaltzustellen. Als nach den Parlamentswahlen 2011 Zehntausende Russen gegen Wahlfälschungen demonstrierten, veröffentlichte Durow ein "Bürgerliches Manifest". Darin forderte er Freiheit für das Internet und hohe Strafsteuern für Öl- und Gaskonzerne, die wirtschaftlichen Pfeiler des Kreml. Als die inhaftierte Pussy-Riot-Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa im September in Hungerstreik trat, machte sich Durow für sie stark.



Scherbowitschs UCP betont, nur wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Der Geschäftsmann will mehr Geld durch Werbung verdienen. Sein Kalkül: Würde VK.com seinen Nutzern so viel Werbung präsentieren wie Facebook, könnte das Unternehmen seinen Gewinn um das Siebenfache steigern. Durow ist dagegen, er hat seinen Nutzern Werbebanner bislang nur in homöopathischen Dosen zugemutet.

Zugleich aber treibt Durow eigene Projekte voran. Über seine Firma Digital Fortress investiert er in neue Start-ups. Im Sommer ging Telegram an den Start, mit dem Durow dem Messenger-Dienst WhatsApp Konkurrenz machen will.

Der neue Anteilseigner prüft deshalb eine Klage. Durow spanne womöglich Programmierer des sozialen Netzwerks ein und nutze Ressourcen von VK.com für persönliche Zwecke. Telegram werde im iTunes-Store als "social network" vertrieben. Durow mache seinem eigenen Unternehmen Konkurrenz.

"Kein respektvolles Verhältnis zu den Aktionären"

UCP strebt deshalb ein Abkommen an, das die Abgrenzung von VK.com und der Durow-Firma Digital Fortress klar regelt, bislang ohne Erfolg. Der Gründer pflege "kein respektvolles Verhältnis zu den Aktionären", so ein UCP-Funktionär. Durow wirft dem Fonds im Gegenzug "Drohungen und Druck" vor, viele Programmierer wollten deshalb die Firma verlassen.

Die Folge ist ein Patt. Die meisten Programmierer sind dem Netzwerk-Gründer treu ergeben. Muss er das Unternehmen verlassen, werden sie ihm wohl folgen. Durow kontrolliert zudem das operative Geschäft, aber nur noch 12 Prozent der Anteile. Auf der anderen Seite hat Scherbowitschs UCP mit 48 Prozent auch keine Mehrheit.
Den Konflikt entscheiden könnte nur Alischer Usmanow, mit 18 Milliarden Dollar der reichste Mann des Landes. Seiner Mail.ru-Group gehören die übrigen 40 Prozent von VK.com. Usmanow verdankt sein Vermögen Gas- und Stahlgeschäften - und nicht zuletzt einem guten Draht zum Kreml. Politische Dissidenz gehörte dagegen nie zum Portfolio des Magnaten. Als ein zum Usmanow-Imperium gehörendes Nachrichtenmagazin nach den Parlamentswahlen 2011 einen Stimmzettel abdruckte, auf den ein wütender Wähler mit großen roten Buchstaben "Putin, f... dich!" geschrieben hatte, setzte Usmanow den Chefredakteur umgehend vor die Tür.

Im Machtkampf bei VK.com aber verhält sich der Oligarch bislang still. Er hat die Stimmrechte seiner Anteile an Durow übertragen. Dabei bleibt es. Es gebe ein "erhebliches Risiko, dass VK.com ohne Durow und sein Team an Wert verliert", so ein Sprecher. In Moskauer Wirtschaftskreisen kursiert aber noch eine zweite Erklärung, warum der 60 Jahre alte Usmanow den 29-jährigen Durow gegen alle Widerstände stützt: "Der mag ihn einfach."

+++"Bar des Jahres 2014"+++


Der „Mixology Bar Awards“ ist der Oscar unter den Bar-Auszeichnungen. Er wird jährlich zum Auftakt der internationalen Fachmesse „Bar Convent“ in Berlin vergeben.

Am 7. Oktober versammelte sich im Berliner Grand Hyatt Hotel die Barbranche, um die Preisträger zu ehren.
Großer Abräumer des Abends war die Kölner Bar „Spirits“, die gleich zwei Awards gewann. Das „Spirits“ wurde „Bar des Jahres“, die „Spirits“-Mannschaft Frederik Knüll, Vincent Balzac, Dominique Simon, Dominik Mohr und Marian Krause zudem „Barteam des Jahres“.
Zur Spirituose des Jahres wurde der Tanqueray Malacca Gin gekürt. Helmut Adam: „Seit Jahren haben wir einen Gin-Boom, aber auch Wermuth ist wieder im Kommen.“

Helmut Adam, Herausgeber des Magazins „Mixology“ und Gründer der internationalen Fachmesse „Bar Convent Berlin“ lobte den Gewinner: „Diese Bar macht nie groß auf sich aufmerksam, macht keine Aktionen, so wie andere Bars. Hier steht der Gast im Mittelpunkt“.

Waren es früher die 40- bis 50-Jährigen, die sich den Barbesuch leisten konnten, strömen heute auch die Zwanzigjährigen in die Bars und ordern klassische Drinks. Auch die wachsende Zahl der Bars sprechen ihre eigene Sprache: Viele neue Bars eröffnen und halten sich trotz der großen Konkurrenz.

Woran erkennt der Fachmann eine gute Bar?

„Dass der Gast begrüßt und auch verabschiedet wird. In einer Bar wird Alkohol konsumiert, der dehydriert. Deshalb sollte ohne Nachfrage Wasser serviert werden. Sie sollten auch darauf achten, ob frische Produkte oder Convenience-Produkte verwendet werden. Das macht sich im Geschmack deutlich bemerkbar.“

Wieviel darf ein Cocktail kosten?

„Bei einem Preis von 3 bis 4 Euro würde ich keine große Qualität voraussetzen. Das muss aber nicht heißen, das der Cocktail schlecht ist“, sagt Adam. „Große Häuser begründet einen Preis von 20 Euro für einen Cocktail mit ihrem guten Service.“ Ab 25 Euro hört aber auch bei ihm der Cocktail-Spaß auf. Solch einen Preis aufzurufen, hält Adam selbst bei der Verwendung hochwertiger Produkte für überzogen.

„Die Kunst der hochklassigen Mixologie ist auf dem Weg, ein wichtiger Bestandteil mitteleuropäischer Genusskultur zu werden“, sagt Helmut Adam. „Die mit dem 'Mixology Bar Award' ausgezeichneten Bars und Bartender sind die wichtigsten Botschafter dieser Kultur.“

Dienstag, 8. Oktober 2013

+++Franz-Peter Tebartz-van Elst, oder langer Name mit monströser Verschwendung!+++


Ursprünglich waren für die neue Limburger Bischofsresidenz drei Millionen Euro eingeplant, jetzt ist nach Informationen der F.A.Z. von mindestens 31 Millionen die Rede.

Ihm wird Verschwendung vorgeworfen: Bischof Tebartz-van Elst

Die Kosten für die Limburger Bischofsresidenz betragen nicht wie ursprünglich geplant etwa drei Millionen Euro, sondern mindestens 31 Millionen. Das geht aus einer Erklärung des Vermögensverwaltungsrats hervor, der die Finanzen des Bischöflichen Stuhls beaufsichtigen soll.

Die drei Mitglieder des Gremiums erklärten am Montagnachmittag: „Wir sind durch den Bischof von Limburg hinter das Licht geführt worden.“ Die Mitglieder sind der ehemalige Chef der Wiesbadener Staatskanzlei und Träger des Gregoriusordens Jochen Riebel, der Geschäftsführer der Josefs-Gesellschaft Theodor-Michael Lucas und der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Professor Carl-Friedrich Leuschner.

In ihrer Erklärung heißt es: „Die bisher aufgelaufenen Kosten des Diözesanen Zentrums St. Nikolaus mit der Bischofswohnung, der Alten Vikarie, des Schwesternhauses und den damit verbundenen weiteren Einzelprojekten auf dem Domberg in Limburg betragen bis heute rund 31 Millionen Euro. Uns Mitgliedern des Vermögensverwaltungsrats waren bis zur Stunde die Gesamtkosten nicht bekannt. In Einzelheiten zu gehen verbietet sich. In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass gemäß des Statutes des Bischöflichen Stuhles zu Limburg weder Haushaltspläne für die Jahre 2012 und 2013 vorgelegt noch dass entsprechende Einzelprojekte genehmigt worden sind.“

Tebartz-van Elst steht seit längerem in der Kritik. Ihm werden autoritärer Stil und Verschwendung vorgeworfen. Die Situation in seinem Bistum wurde auch vom Vatikan als problematisch eingeschätzt, Papst Franziskus schickte deshalb im September einen Gesandten nach Limburg.

+++Was ist die "Tea-Party" in den USA?+++


Eine Supermacht in Geiselhaft!

US-Präsident Barack Obama (51), eigentlich mächtigster Mann der Welt, ist seit acht Tagen handlungsunfähig. Er musste 800 000 Regierungsbeamte in Zwangsurlaub schicken, Museen schließen, Auslandsreisen absagen.

Grund: Die „Tea Party“ blockiert den US-Haushalt, Obama kann kein Geld mehr ausgeben. Wie konnte es dazu kommen? 

Was ist die „Tea Party“?

Ein Sammelbecken radikal-konservativer Politiker innerhalb der republikanischen Partei. Die Bewegung bildete sich in der Finanzkrise 2009 – aus Wut über milliardenschwere Staatshilfen für Banken- und Immobilienfinanzierer. Inzwischen zählen 50 der 233 Republikaner-Abgeordneten im Repräsentantenhaus zur Gruppe, die angeblich 41 Millionen Unterstützer hat.

Wer sind die Köpfe der Bewegung?

Als „Gründer“ gilt der Ex-Abgeordnete Ron Paul (78, bewarb sich zweimal als US-Präsident) aus Texas. Bekanntestes „Tea-Party“-Gesicht: Alaskas Ex-Gouverneurin Sarah Palin (49). Sie kandidierte 2008 als Vize-Präsidentin.

Woher kommt der Name „Tea Party“?

Die Gruppe beruft sich auf die „Boston Tea Party“ von 1773. Damals stürmten Bostoner Bürger, verkleidet als Indianer, britische Handelsschiffe, warfen Tee-Lieferungen ins Wasser und demonstrierten so gegen den Teezoll der britischen Kolonialmacht – Startschuss zur Unabhängigkeit der USA.

Warum hat die „Tea Party“ soviel Macht?

Im Kern geht es um Obamas Gesundheitsreform („Obamacare“, Zwangs-Krankenversicherung für alle US-Bürger): Die „Tea Party“ sieht dies als extreme Bevormundung, will dem Haushalt deshalb nur zustimmen, wenn der Präsident „Obamacare“ zurücknimmt.

Ist die „Tea Party“ mit der „Alternative für Deutschland“ (AfD) vergleichbar?

Die Ziele ähneln sich: wirtschaftliche Freiheit, keine Staatshilfen, Nein zu staatlicher Bevormundung. Aber: Die AfD ist eine eigenständige Partei, die „Tea Party“ Teil der mächtigen republikanischen Partei.

Wie geht es jetzt weiter?

Beide Seiten müssen sich spätestens bis 17. Oktober einigen – sonst droht den USA die Zahlungsunfähigkeit. Das hätte Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. US-Präsident Obama: „Wenn wir das vermasseln, vermasseln wir es für jeden.“

Montag, 7. Oktober 2013

+++Die Weltkarte des Internets 2013+++


Es zählt zu den Eigentümlichkeiten des Internetzeitalters, dass sich durch den Siegeszug der Technik zwar alles Mögliche besser vermessen und berechnen lässt, aber nicht das Internet selbst. 

Wahlabsichten, Kaufverhalten oder Grippeepidemien - all das kann mittels moderner Technik analysiert und dargestellt werden. Wenn es aber die Frage zu beantworten gilt, wie groß das Internet ist, welche Machtstrukturen dort vorherrschen, dann gibt es neben unzureichenden Datensätzen oftmals auch ein Darstellungsproblem.

Die Wissenschaftler vom Oxford Internet Institute versuchen deshalb immer wieder vorhandene Daten über das Internet verständlich und vielsagend aufzubereiten und darzustellen. In welchen Ländern ist Twitter besonders verbreitet? Wer bestimmt, was in der englischen Wikipedia steht? In welchen Ländern sind die meisten Menschen online? Zu all diesen Fragen haben die Forscher Antworten per Grafik gegeben. Die Vermessung der digitalen Welt, so kommt sie ein wenig voran.

Vor wenigen Tagen nun haben die Briten der Abbildung des Internets eine weitere Dimension hinzugefügt. Die beiden neuen Grafiken zeigen, stark vereinfacht, wie sehr das World Wide Web von zwei Unternehmen dominiert wird: Google und Facebook. Die Forscher haben dazu die jeweils populärste Webseite von 120 Ländern auf einer Karte eingetragen. Herausgekommen ist eine bipolare Weltordnung, wie es sie in ihrer Schlichtheit zuletzt zu Zeiten des Kalten Krieges gab. Google dominiert in 62 Staaten, Facebook in 50. Wenngleich die Blockzugehörigkeit der einzelnen Länder sich im Netz deutlich von der Realität zu Zeiten des Eisernen Vorhangs unterscheidet.

Karte zeigt ein umstrittenes Weltbild

Nur in Osteuropa und Asien gibt es mit Baidu (China und Südkorea), Yandex (Russland) und Yahoo (Japan und Taiwan) bedeutende Mittelmächte. Wohingegen in den Palästinensergebieten die Tageszeitung Al-Watan Voice am prominentesten ist, der Mailanbieter Mail.ru in Kasachstan dominiert und die Menschen in Weißrussland vor allem dem sozialen Netzwerk VK.com vertrauen.

Auch wenn die Daten eine klare Sprache zu sprechen scheinen: Das Weltbild, das die Karte zeigt, ist umstritten. Nur weil der Marktanteil von Google in vielen Staaten Mitteleuropas und Nordamerikas höher ist als der von Facebook, bedeutet das noch nicht notwendigerweise, dass Facebook das Leben der Menschen dort weniger bestimmt. Hinzu kommt: Die Daten für die Darstellung stammen von der zu Amazon gehörenden Webanalyse-Firma Alexa Internet. Ein Unternehmen, das Surfdaten seiner Nutzer mittels eines Browser-Zusatzprogramms erhebt. Die Aussagekraft dieser Daten variiert von Land zu Land. Keinesfalls sind die Daten repräsentativ. Alexa steht deshalb seit Jahren in der Kritik.

Ein Manko, das die Grafiker auch erkannt haben. So sei es ziemlich unwahrscheinlich, dass Baidu neben China auch in Südkorea die Surfstatistik anführt, geben sie zu. Wahrscheinlich seien die Rohdaten für dieses Land verzerrt.

Grundsätzlich sei das, was zu sehen ist, aber durchaus aussagekräftig: "Wir sind wahrscheinlich noch immer ziemlich am Anfang des Zeitalters der Internet-Imperien", schreiben die Autoren des Projekts. Aber es könne wohl sein, dass die Territorien, die sich derzeit herausbildeten, bedeutende Auswirkungen darauf haben, wie wir in Zukunft kommunizieren und auf Informationen zugreifen.

Sonntag, 6. Oktober 2013

+++Mysteriöser See in Tansania versteinert Tiere+++


Es sind düstere Bilder: Eine halb verweste Fledermaus hängt im Baum, ein Flamingo-Skelett schwimmt über den See. Das Besondere daran: Die Tiere sind echt, sie wirken wie versteinert. 




Tatsächlich wurden die Kadaver so verkrustet an einem mysteriösen See in Tansania gefunden, der zu mehr als 90 Prozent aus Natron besteht.
Der Fotograf Nick Brandt fand die Kreaturen und arrangierte sie in gruseligen Bildern neu in der Landschaft. „Niemand weiß genau, wie die Tiere sterben. Aber es scheint so, als verwirre sie die extrem reflektierende Oberfläche des Sees. So, wie Vögel gegen Glasscheiben fliegen, stürzen sie in den See“, erklärte der Fotograf das Phänomen gegenüber „New Scientist“.





Die Lebensbedingungen im Natron-See am Vulkan Ol Doinyo sind extrem – die Temperaturen steigen auf bis zu 60 Grad Celsius, der PH-Wert liegt zwischen 9 und 10,5. Eine Umgebung, die nur wenige Tiere mögen. Im See leben allerdings Buntbarsch-Arten, die an die extrem alkalischen Bedingungen angepasst sind.

(Fotos: Nick Brandt)

Samstag, 5. Oktober 2013

+++"Postillon" - hauptberuflich Schwachsinn, oder ein Blogger, der es geschafft hat+++


Stefan Sichermann betreibt eine News-Website, deren Nachrichten dreist zusammengelogen sind. Die Leser stört's nicht, im Gegenteil: 50.000 Menschen besuchen täglich sein Satire-Portal "Der Postillon", das der ehemalige Lehramtsstudent von seinem Wohnzimmer aus betreibt.

Stefan Sichermann, 32, kniet auf dem Boden. Im Esszimmer seiner Wohnung kramt er dünne Kartons unter einem Regal hervor. "Die sind bestimmt schon ganz staubig", sagt er und öffnet ein paar Boxen. Was er dann in den Händen hält, sind Auszeichnungen: der Deutsche Webvideopreis, der Grimme Online Award. Aufstellen mag er die wuchtigen Plastiken nicht. "Ich habe Angst, dass sie mal umfallen und meine Tochter erschlagen."

Schnell schiebt er die Trophäen wieder unter sein Regal. Er mache sich nicht viel daraus, sagt er, vor allem weil er nicht gern im Mittelpunkt stehe. Normalerweise sitzt der gelernte Werbetexter tagsüber allein in seinem Arbeitszimmer, das gleichzeitig der Wickelraum seiner anderthalbjährigen Tochter ist.
Was er dort schafft, ist der Grund für die Auszeichnungen: Sichermann ist Gründer und Betreiber des Satire-Portals "Der Postillon". Auf seiner Seite ist etwa zu lesen, dass die NSA beruhigt ist, weil es in deutschen Privat-E-Mails immer weniger um den NSA-Skandal geht oder dass 27 Prozent des weltweiten Papiermülls durch "Erst denken, dann drucken"-Warnhinweise verursacht werden.

"Alles, was im 'Postillon' steht, ist Satire und somit dreist zusammengelogen", warnt er auf seiner Webseite vorsorglich. "Das sollte eigentlich offensichtlich sein, obwohl zahlreiche Kommentare darauf hinweisen, dass vieles hier für bare Münze genommen wird."

Seit der Gründung des Onlineportals im Oktober 2008 sind die Zugriffszahlen kontinuierlich gestiegen. Mittlerweile zähle sein Blog am Tag rund 50.000 Besucher, die seine Seite gut 100.000 Mal aufrufen, sagt er. Unter seinen Artikeln reihen sich die Kommentare seiner Leser, ein Eintrag schaffte es auf 4000.
Es war ein Arbeitskollege, der Sichermann auf die Idee brachte, ein Blog zu betreiben: "Er hat mich jeden Tag damit genervt und erzählt, wie toll das sei." Damals arbeitete der ehemalige Lehramtsstudent noch in einer Hamburger Werbeagentur und wohnte mit seiner Freundin in Lübeck. Privates von sich wollte er aber im Internet nicht preisgeben, und so kam ihm die Idee mit der Satire-Plattform - inspiriert durch ein ähnliches Format in Amerika.

"Ich mach nicht alles"

Anfangs betrieb er den "Postillon" in seiner Freizeit. "Doch der Arbeitsaufwand nahm ständig zu." Als seine Freundin schwanger wurde, zog es das Paar zurück in die fränkische Heimat nach Fürth - und ihn in die Selbständigkeit.
Seitdem denke er hauptberuflich über Schwachsinn nach, sagt er lachend. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht. Sichermann ist einer der wenigen Blogger in Deutschland, die von der Werbung auf ihren Internetportalen leben können. Hinzu kommen Radiobeiträge: Seit Anfang des Jahres präsentiert Bayern 3 mehrmals täglich Satire-Nachrichten des "Postillons". Auch ein Videoprojekt ist seit einiger Zeit online, Sichermann möchte das künftig vorantreiben.

Mit dem Kürzel "dpo" vor seinen Meldungen nimmt er in Kauf, dass unbedarfte Leser im ersten Moment an die Veröffentlichung seriöser Nachrichtenagenturen glauben. Wo die Satire ihre Grenzen hat, kann Sichermann schwer beurteilen: "Ich finde, man sollte alles machen dürfen", sagt er, "aber ich mach nicht alles." Er nehme beispielsweise keine Privatpersonen auf die Schippe und gehe sensibel mit dem Thema Tod um. Zu seinen Lieblingsthemen gehören die religiösen: Mit Menschen, die sich "religiös verletzt" fühlen, habe er wenig Mitleid. "Es geht hier schließlich um eine fiktive Sache."

(Quelle: Spiegel online)

+++SIRI hat ein Gesicht!+++


Diese sanfte Stimme, diese Engelsgeduld. Apples virtueller Sprachassistent „Siri“ ist auf tausenden iPhones installiert – und kennt alles über uns. Jetzt ist klar: Die amerikanische Stimme gehört einer Frau aus dem US-Bundesstaat Georgia.

Sie sagt: "Ich bin die Stimme von Siri."

Ob Wetterberichte oder Restaurant-Tipps, „Siri“ weiss eine Menge. Sie reagiert sogar auf auf absurdeste Fragen – und das inzwischen erstaunlich schnell und schlagfertig. Hinter der Technik steckt die Stimme von Susan Bennet, einer Stimmen-Schauspielerin aus Sandy Springs, einem Vorort der Stadt Atlanta. Da sind sich Erkennungs-Experten sicher, denn iPhone-Hersteller „Apple“ selbst äußert sich bisher nicht zu Bennets Aussage.

Warum kommt erst jetzt heraus das Susan Bennet Siri ist?

Gegenüber „CNN“ sagte sie: "Ich musste erst wirklich die Wichtigkeit für mich abwägen, war nicht sicher, ob ich die Bekanntheit wollte." Dann kam ein Video heraus, in dem eine andere Frau als Stimmgeberin von Siri gezeigt wurde, was nicht stimmte. Bennet: "Jeder wollte herausfinden was wirklich hinter der Stimme von Siri steckt, da dachte ich, jetzt ist der Zeitpunkt."

Susan Bennet arbeitet schon seit den 70ern als Stimmen-Schauspielerin, sprach in Werbespots, Flughafenansagen und Navigationssystemen. Apple stellte „Siri“ zum ersten Mal im Oktober 2011 mit dem iPhone 4S vor. Die Aufnahmen dafür sind offenbar schon im Jahr 2005 im Auftrag eines Software-Unternehmens aufgenommen worden.

Einen Monat lang, für vier Stunden täglich, musste sich Bennet in ihr Aufnahme Studio zurückziehen und zusammenhanglose Sätze in ein Mikrophon sprechen. Bennet: "Es gibt Menschen, die können stundenlang lesen. Mir wird extrem langweilig und ich muss auch Pause einlegen. Vielleicht klingt Siri deswegen manchmal ein wenig hochnäsig."

Freitag, 4. Oktober 2013

+++Deutsche Alleinschuld am ersten Weltkrieg? Ein Weltkriegsforscher zweifelt nun daran+++


War das Deutsche Kaiserreich alleine schuld am Ersten Weltkrieg? Und damit am Tod von 17 Millionen Menschen? Nun stellt ein australischer Historiker infrage, was lange als Gewissheit galt. Er erklärt das „wohl komplexeste Ereignis aller Zeiten“.

Deutschland hat den Ersten Weltkrieg angezettelt und trägt die Hauptschuld für die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Das galt unter Historikern über Jahrzehnte als gesichert. Mit dem „Griff nach der Weltmacht“, wie der Hamburger Historiker Fritz Fischer sein Standardwerk zur Kriegsschuld in den 1960er Jahren nannte, habe Kaiser Wilhelm II. nach den gescheiterten Kolonialabenteuern die Vormachtstellung des Deutschen Reichs in Kontinentaleuropa angestrebt. Die Deutschen stolperten oder schlitterten nicht in den Krieg – sie entschieden sich für ihn, lautete Fischers These.

Jetzt stellt der Historiker Christopher Clark diese Lesart infrage – und hat damit Monate vor dem 100. Jahrestag des Weltkriegsbeginns im kommenden Sommer eine Debatte über die Kriegsursachen ausgelöst. Innerhalb kurzer Zeit nach Erscheinen der deutschen Übersetzung ist Clarks 900-Seiten-Wälzer „Die Schlafwandler“ ein Bestseller.

Clark, der bereits eine preisgekrönte Preußen-Geschichte verfasst hat, bricht mit seinem neuen Buch den Konsens auf: Nicht nur Deutschland – alle Mächte Europas zündeten an der Lunte, mit der sich schließlich der Konflikt entlud.

Das wohl komplexeste Ereignis aller Zeiten

Ob in Berlin, Moskau, St. Petersburg, London oder Wien: Monarchen und Militärs, Minister und Diplomaten trieben ihr Spiel so lange, bis ihnen am Ende die militärische Konfrontation als unausweichlich erschien. Mit einfachen Erklärungen kann Clark, der im britischen Cambridge lehrt, nicht helfen: Die Julikrise von 1914, die zur Mobilisierung von Europas Bataillonen und schließlich zum globalen Krieg führte, sei das wohl komplexeste Ereignis aller Zeiten.

Der Australier hat in seiner akribischen Quellenstudie die Mentalität der Herrscher im alten Europa nachgezeichnet. Er beschreibt, wie Vorurteile und Misstrauen die Politik bestimmten, Intrigen und Geheimdiplomatie die labile Vorkriegs-Balance aushöhlten.

Anschlag auf österreichischen Thronfolger war nicht zwangsläufig
Der Krieg, den der Terroranschlag auf den österreichischen Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, und dessen Frau am 28. Juni 1914 in Sarajevo auslöste, erscheint bei Clark nicht als zwangsläufiges Ereignis. Wenn nur einer der beteiligten Staaten die Notbremse gezogen hätte, wäre die Tat des serbischen Nationalisten Gavrilo Princip heute eine Fußnote der Geschichte, meint er. Das Sterben von mehr als 17 Millionen Menschen hätte verhindert werden können.

Clark beschreibt, wie Deutschland, Österreich-Ungarn, Frankreich, Russland und Großbritannien (dazu kommen Italien und das Osmanische Reich) in einem Wirrwarr aus Versprechungen, Drohungen, Plänen und Prognosen gefangen waren. Ob der deutsche Kanzler Bethmann Hollweg oder seine Kollegen in Paris oder Moskau: Clark schildert, wie die Staatsmänner die Interessen ihrer Regierungen in den Vordergrund stellten und sich kaum für die Konsequenzen ihres Handelns interessierten.

So war es wohl kein Wunder, dass die Schüsse von Sarajevo genügten, um das europäische Gebilde vor 1914 in Stücke zu reißen. So blickt Clark zunächst auf die serbischen Schreckensgespenster. Am Anfang seiner Schilderung steht ein Königsmord am Belgrader Hof im Jahr 1903. Hinter den blutigen Ereignissen stehen jene serbischen Nationalisten, deren Anschlag später den Krieg auslösen wird. In den folgenden elf Jahren wird der Vielvölkerstaat Serbien als Zankapfel der europäischen Mächte zum Katalysator des Konflikts.

Clark widmet dem österreichisch-serbischen Streit viel Platz. Er weist auf Möglichkeiten hin, wie der Kriegsausbruch doch noch hätte verhindert werden können. So habe Erzherzog Franz Ferdinand noch eine Reform der Donaumonarchie angestrebt.

Schlafwandler: „wachsam, aber blind“

Doch nicht nur in Wien, auch in Paris oder London sieht Clark schwere Versäumnisse. Frankreich sei vor allem darauf bedacht gewesen, Deutschland in Schranken zu halten. Großbritannien betrieb die Existenzsicherung des Empires. Die Allianzen mit Russland und Frankreich dienten diesem Ziel. Und wirklich ernst genommen wurden die Deutschen nicht: Der Kaiser galt als tollpatschiger Möchtegern, starke Worte aus Berlin wurden als Bluff eingestuft.

Dem deutschen Reich wurde eine untergeordnete Rolle zuerkannt, wie Clark am Beispiel des britischen Außenministers Edward Grey, eines notorischen „Deutschlandhassers“, zeigt. Nicht die Entscheidung Berlins, die deutsche Kriegsflotte auszubauen, habe die Entente-Mächte Russland, Frankreich und Großbritannien gegen Deutschland und Österreich-Ungarn zusammengeschweißt. Sorgen habe vor allem die schnelle Industrialisierung Deutschlands und die Eroberung neuer Märkte bereitet.

Doch von Schuldzuweisungen hält Clark wenig. Ihn interessiert, wie die Mechanismen der Macht zum Desaster führten. Die Protagonisten von 1914 seien Schlafwandler gewesen, schreibt er am Ende, „wachsam, aber blind“, unfähig, die Realität der Kriegsgräuel zu erkennen, die vom 28. Juli 1914 an ihren Lauf nahmen.